Ein Erzählung

*Raub an einem Oktoberfestsonntag.
**Ein fränkischer Archivar wird in die "Alte Pinakothek" nach Müchen versetzt.
***Lunéville  9.Februar 1801. Vorentscheidung über das Schicksal Frankens. 
****Die Franken wollen mehr Rechte.                    
*****Die Geschichte Frankens wird neu geschrieben.                                                                                                                                              
 
  

 

 

Oktoberfestraub
popä
Sie versteckten sich
bis sich die Pferde auf dem Gegenweg befanden. Dann sind sie aus dem Versteck hervorgesprungen. Der Pferdelenker und sein mit einem Langmesser ausgestatteter Begleiter sind wohl mehr wegen des Aussehens der Angreifer, ob ihrer Bewaffnung erschrocken. Der Kutscher wurde festgehalten. Auch der Begleitschutz. Der Karren wurde durchwühlt. Es war kein Herzogsschwert zu finden.  Nun wurden die Fuhrleute befragt. Der Kutscher sagte, wenn Ihr das Schwert sucht – es ist heute Nacht schon weggebracht worden. Ein Fuhrwerk, Kutscher mit zehn Mann Bewachung. Somit war die Aktion erfolglos beendet. Der Fürstbischof ist nun kein Fürst mehr. Auch er muss sich unter die baierische Knute beugen.  Sicher jeder hat den Fürstbischof nicht nur einmal am Tag verflucht. Auch er hatte seine Zuträger. Sein Herrschaftsanspruch war überall und absolut zu spüren. Und doch mochten wir ihn irgendwie. Er konnte auch weichherzig, mild und gütig sein. Vor allem fühlte er sich seinem Fürstentum und seinen Untertanen verpflichtend. Als die Nachricht, dass die Franzosen bald in Franken einmarschieren werden in aller Munde war, erhofften sich viele Leute, das  die Franzosen aus Franken einen modernen Staat machen. Doch diese Hoffnung wurde noch vor dem Einmarsch der Baiern enttäuscht. Wie Räuberbanden zogen diese plündernd durch die Straßen und haben alles mitgenommen, was noch Gold glänzte. Fünfzig anständige Würzburger Bürger sind zu Tode gekommen. Seinen Onkel, der im Rat der Stadt vertreten war, haben sie verschleppt. Er hat sich den Räubern in den Weg gestellt, als diese in eine Goldschmiedewerkstatt eindringen wollten. Bis nach Augsburg brachten die Bayernbüttel, wo er in einen Kerker gesteckt wurde. Erst vorgestern ist er zurückgekommen. So abgemagert, dass man seine Rippen zählen konnte. Zwei Stunden, bevor die Franzosen gekommen sind, ist auch der letzte baierische Räuber aus der Stadt verschwunden.  Viele Würzburg sind zum Rathaus gekommen, wo der Bürgermeister die Eindringliche begrüßte. Die meisten Bürgerinnen und Bürger sind stumm und regungslos dagestanden.

Museumsdirektor Friedhelm Altmoser
macht wie jeden Abend, nachdem das Museum geschlossen hat, seinen Rundgang durch die Alte Pinakothek. Seine Blicke streifen die alten und wertvollen Exponate aus den verschiedenen Jahrhunderten. Sie sind ihm ans Herz gewachsen. Er ist einer der jüngsten Museumsdirektoren überhaupt. Und das, auf ganz Deutschland bezogen. Nun er muss zugeben, dass er ohne Beziehungen nie diesen Posten bekommen hätte. Allein von der Qualifikation her hätte man ihn diese herausragende Stellung nie gegeben. Seine Parteikollegen haben da nachgeholfen. Auch verwandtschaftliche Bindungen zu einem Staatssekretär im Kultusministerium sind und waren von Vorteil. Wie es auch sei, er hat nun das erreicht, von dem er von Jugend her geträumt hat. Er kommt nun in einem Raum, wo Exponate aus den ehemaligen fränkischen Regierungsbezirke Frankens stehen oder liegen. Früher waren die Bilder oder Gegenstände verteilt im ganzen Museum. Um die aufsässigen Franken zu beruhigen, sind diese nun in einem Raum zu besichtigen. Er geht an die Rückwand des Raumes und schiebt einen kleinen Vorhang, der mit Motiven aus dem Mittelalter bestickt ist, beiseite. Friedhelm Altmoser holt einen Sicherheitsschlüssel aus der Hosentasche und steckt den Schlüssel in ein kaum zu sehendes Schlüsselloch. Dann hebt er einen Griff, der in der Wand versenkt ist, hervor und zieht ihn nach vorne. Es öffnet sich eine Stehltüre und gibt einen Blick in einen mannshohen Tresor. In diesem Raum kommen die Kunstwerke aus Franken, um über Nacht von Dieben sicher zu sein. Diese besondere Sicherheitsmaßnahme ist nötig, da die Exponate einen unermesslichen Wert haben. Natürlich ist das Museum gut abgesichert und die Wertgegenstände an ihren Plätzen sind noch zusätzlich befestigt. Bei den fränkischen Kulturgütern hat man sich eine besondere Sicherung einfallen lassen. Geschätzter Wert der Gegenstände zehn Millionen Euro. Andere Gutachter sprechen von dreizehn Millionen Euro. Friedhelm Altmoser holt nun Stück für Stück aus den Vitrinen und legt die Kunstwerke in den Tresor. Bevor er den Tresor verschließt, vergewissert er sich noch einmal, ob er auch alle Exponate in den Tresor gelegt hat. Danach geht er in sein Büro und setzt sich an seinem Schreibtisch. Er holt sich eine Kaffeekanne, die auf einer Anrichte steht, und setzt sich wieder. Dort schenkt er sich den lauwarmen Kaffee in die auf dem Tisch stehende Tasse ein und nimmt einen Schluck. Am liebsten möchte er überhaupt nicht nach Hause gehen. Er besitzt eine große Villa aus dem neunzehnten Jahrhundert. Die Räume dieser Villa sind mit antiken Möbeln ausgestattet. Am Haus ist ein großer Garten mit Pool. Aber was nützt das alles, wenn man allein ist. Seine Frau und die Kinder haben ihn vor fünf Wochen verlassen. Seine Frau und er lieben sich noch über alles. Auch von seinen zwei Kindern könnte er sich nur mit Schmerzen trennen. Grund der Trennung ist, wie bei vielen Scheidungen das Geld. In seinem Fall sind es nicht Schulden wegen des Hauses oder teuren Anschaffungen, sondern seine Spielleidenschaft oder besser seine Spielsucht. Er holt sein Notizbuch aus dem Schubfach. Seine Schuldenstände weisen Beträge auf, die ihm den Schweiß auf die Stirn treiben.

Georg Debrotesch und Ferdi Leuschner
haben es sich in dem kleinen Flur, in den man kommt, wenn der Nebeneingang des Museums benutzt wird, bequem gemacht. Sie sitzen auf die von Ihnen mitgebrachten Kisten und Kartons, die sie für das Verpacken der zu stehlenden Kunstgegenstände brauchen. Ein Teil des Verpackungsmaterials steht auf zwei kleinen Transportwägelchen. Gedacht haben sie auch an Holzklötzen verschiedenster Größe. Diese werden anstelle der Figuren und anderer Gegenstände gestellt, um die Lichtkontakte nicht zu unterbrechen. Es wird simuliert, dass die Gegenstände noch da sind. Georg Debrotesch hat außerdem noch eine leistungsstarke Bohrmaschine mitgebracht. Ferdi Leuschner drängt Georg Debrotesch. Dieser hat Ferdi Leuschner erst heute früh angerufen und ihm gesagt, dass er Kleidung für mindestens eine Woche mitnehmen soll. Nun soll Georg endlich mit der Sprache herauszurücken, was er noch geplant hat. Wir werden die Kunstgegenstände nehmen, verpacken und in den Transporter schaffen. Dann fahren wir auf die Autobahn München – Nürnberg. Bei der Ausfahrt „Holledau“ fahren von der Autobahn ab und suchen einen Platz, von dem wir nicht gesehen werden können. Hier wird die Aufschrift vom Aufbau des Transporters weggewischt und die Kennzeichen gewechselt. Wasser, Schmutzlappen und Kennzeichen sind draußen im Wagen. Wir fahren dann weiter bis Haßfurt. „Wo liegt Haßfurt?", fragt Ferdi. Georg geht nicht auf die Frage ein und sagt nur, dass er in der Nähe von Haßfurt ein altes Haus mit Anwesen vorübergehend benutzen kann. Es gehört den Bruder seiner Mutter, der längere Zeit im Krankenhaus liegen muss. Er war vor zwei Jahren mal oben und hat sich vor ein paar Tagen nach seinen Onkel telefonisch erkundigt. Und da sagte ihm der Onkel eben, dass das Haus vier Wochen leer steht. Ja der Onkel bat ihn darum, dass er, wenn er Zeit hat, sich um das Haus kümmern soll. Ferdi kommt aus dem Staunen nicht heraus.

Erster Hauptkommissar Swen Gruber
hat in seiner Laufbahn nach so manchen Raub die Ermittlungen durchgeführt. Der Raub von allen Gegenständen, Schriften und Schmuckstücken aus einer ganzen Sektion eines Museums, ist ihm noch nicht untergekommen. Die Spurensicherung ist gerade dabei, von der Tresortür Abdrücke zu nehmen. Swen Gruber fragt den Hauptkommissar der Abteilung Raub, wie weit die Ermittlungen gediegen sind. Der sagt ihm, er hat den Chef der Sicherungsfirma und den Leiter des Museums herbestellt. Noch bevor diese beiden Herren ankommen, ist der Tathergang eigentlich klar. In einer Besprechung wurde der Tathergang besprochen. Die Täter müssen sich nach Ablauf der Öffnungszeiten noch im Museum aufgehalten haben. Sie haben dann mit Holzklötzen die Sicherungslichtschranken unterhalb oder oberhalb der Figuren überbrückt. Das Gleiche bei den Schmuckschalen, Büchern usw. Durch einen Unterbrechungsmechanismus am Stromkreis der Gebäudesicherung wurde die Objektsicherung (Figuren etc.) aktiviert. Die Tresortür konnte ohne Auslösung des Alarms aufgebohrt und geöffnet werden. Die Täter haben nach Kenntnis der Spuren im Flur hinter dem hinteren Nebeneingang gewartet, bis das Museum geschlossen hat. Die Tür, die auch als Fluchttür dient, war offen. Sie haben die Tür so präpariert, dass auch nach Museumsschluss kein Alarm ausgelöst werden wird. Über diese Tür wurde das Diebesgut nach außen gebracht. Sie müssen dazu Rollwägelchen benutzt haben. Die Täter hatten natürlich gehofft, dass der Raub erst nach Öffnung des Museums entdeckt wird. Der Alarm wurde dadurch ausgelöst, weil sich ein Stück des Metallklebebandes, das signalisieren und gewährleisten sollte, das der beschädigte Tresor geschlossen ist, gelöst hat. Ws wurden Handschuhe getragen. Das einzige, was Rätsel aufgibt, sind die Bewegungsmelder. Kein Einziger hat sich aktiviert. Sie können vom Museumsleiter nach Ansage beim Sicherheitsdienst ausgeschaltet werden. Das ist an diesem Sonntag aber nicht passiert.

Gegenüber dem Haus
der Hambichls, auf der anderen Straßenseite, steht ein liegt ein Haus, dass dem jüdischen Ehepaar Moses und Judith Strauß gehört. Das Ehepaar lebt dort mit ihrer Tochter Ruth. Schon seit Generationen befindet sich im Erdgeschoss ein kleiner Laden. Die jüdische Familie hat in München einen guten Ruf. Der Vater von Moses Strauß war, bis er vor vier Monaten gestorben ist, lange Zeit im Münchner Stadtrat. Auch die Nachbarn der Familie Strauß respektierten die Juden in ihrer Nähe. Noch im Dezember 1932 war die Familie Strauß, so wie in jedem Jahr, beim Nachbarfest dabei. An diesem Fest haben einige Personen daran Anstoß genommen, dass die Familie Strauß da war. Die Feindseligkeiten haben sich jedoch in Grenzen gehalten. Dias Ehepaar Hambichl pflegt schon seit Generationen gut nachbarschaftliche Beziehungen zu ihren jüdischen Nachbarn. Ja diese Beziehungen gehen über eine normale gute Nachbarschaft hinaus. Sie werden auch nicht durch die öffentlich sichtbare soziale Ausgrenzung, Diskriminierung und Demütigung, beginnend ab der Machtergreifung Hitlers, getrübt. Herr Strauß durfte und konnte schon seit Jahren nichts mehr verkaufen. Schläger hatten sein Schaufenster zerschlagen. Das Fenster ist nun mit Brettern vernagelt. Noch im Oktober 1938 wurde im kleinen Kreis gefeiert. Nach der Pogromnacht machten sich Elmar und Gabriele Gedanken, wie es mit der Familie Strauß wohl weiter gehen wird. Elmar, den man von seiner Wachstation weg hin ins Hauptamt in ein Schreibbüro versetzt hat, hört und sieht so manche gegen Juden gerichtete Ungeheuerlichkeit.

Blauer Himmel über Wetzhausen.
Ein paar Wolken können die Sonnenstrahlen nicht hindern auch das kleine Anwesen am Ende einer Sackgasse zu erreichen. Den letzten Schnee hat ein Tauwetter in den letzten Tagen dahin schmelzen lassen. Die Kinder des kleinen Ortes und sicher auch ein paar Erwachsene haben leider keine Möglichkeit mehr. Sie können nicht mehr mit Schlittschuhen oder zu Fuß, die noch vor Tagen zugefrorenen kleinen Seen und Weiher zu nutzen. Eingepackt in Thermoanzügen, Wollmützen und Winterstiefeln vom Parkplatz gehen zwei Personen auf das alte Schloss zu. Auch in dem Anwesen am Ende der Judengasse ist die Nacht vorüber. Georg Debrotesch und Ferdi Leuschner sitzen beim Frühstück. Es schon einige Zeit her, als beide mitten in der Nacht in Wetzhausen eingetroffen waren. Ferdi hat vor einer halben Stunde bei einem Discounter vier Brötchen besorgt. Den Kaffee den Georg während der Abwesenheit von Ferdi „gebraut“ hat, könnte stärker nicht sein. Georg unterbricht die schon eine ganze Zeit lang dauernde Stille. Er spricht halblaut vor sich hin. Als Ferdi ihn darauf anspricht, wird Georg lauter. Er meint, dass es ein Fehler war, die Beute hierher nach Wetzhausen zu bringen. Ja, ob es überhaupt sinnvoll war, die Kunststücke zu stehlen. „Nun", sagt Ferdi, "wir könnten die „Ware“ an den Herrn Limmer verkaufen.“ Georg grinst. „Ja, könnten wir.“ Er sagt seinem Kollegen, dass er ja noch die Nummer eines Kunstliebhabers habe. Aber ob dieser die ganze Beute, oder auch nur Teile davon abnimmt, ist fraglich. Während wir hier die Zeit totschlagen, hat die Polizei bestimmt alle infrage kommenden Händler aufgesucht. Und auf einen Lieferwagen wie der unsere sind die Bullen besonders scharf. Stille. Aber es stimmt, sagt sich Georg. Wir müssen raus aus diesem Loch. Er wendet sich Ferdi zu, der aufgestanden war, um die Kaffeekanne vom Herd zu holen. „Wir fahren heute nach Haßfurt ins Krankenhaus", sagt er. „Wir besuchen meinen Onkel." Ich weiß zwar nicht, auf welcher Station erliegt. "Aber das bekommen wir heraus.“ Gesagt getan. Eine Stunde später fährt, nach mühevollem Ausscheren aus der Scheune, der Lieferwagen Richtung Königsberg i. Franken. „Mit wird ganz unwohl, wenn ich daran denke, was passiert, wenn uns eine Polizeistreife anhält", sagt Ferdi zu Georg. Georg gibt auf die Besorgnis seines Beifahrers gar nichts. Er deutet mit der linken Hand auf Königsberg. „Wir könnten uns die Stadt ja einmal ansehen", meint Ferdi. Georg tritt auf die Bremse, da die Abzweigung zur Stadt gleich erreicht sein wird. Auf einem Parkplatz, der vor dem Stadttor angelegt worden ist, stehen nur fünf Fahrzeuge. Eines davon ist ein Sattelschlepper. Georg parkt seinen Lieferwagen zwischen diesen Lkw und einem größeren Pkw. Er parkt rückwärts ein in der Hoffnung, dass sein Auto nicht zu sehr auffällt.

Begibt man sich auf
einen ausgewiesen Weg, der den Namen Galgenturmstraße trägt und läuft oder fährt von der Stadtmitte aus in die Richtung Nordost, kommt man in ein Neubauviertel. Da sieht man an den Häusern und Villen, dass es sich um einen Stadtteil handelt, in dem Leute mit sehr guten oder hohen Einkommen leben. Am Ende der gut ausgebauten Straße rechter Hand erstreckt sich ein Grundstück von gut zweitausend Quadratmeter, das von einer Naturhecke umgeben ist. Der Umlauf der Hecke, deren Höhe man auf zwei Meter schätzen kann, wird unterbrochen von einem Tor aus Metallstäben, die reich verziert sind. Das Tor ist einen Spalt offen. Links vom Tor wurde eine Tür, ebenfalls aus Metallstäben gefertigt, montiert. An diesen Gitterstäben ist ein Schild mit einer goldenen Hintergrundfarbe und einem schwarzen Schriftzug befestigt. „Herbert Murk / Edelmetalle, Metalle, Autoschrott.“ Man muss schon nach Passieren des Tores zehn Meter weitergehen, um das Haus im Blick zu haben. Bevor der Besucher zum Haupteingang kommt, kann er links eine Doppelgarage sehen. Im Erdgeschoss befindet sich der hauswirtschaftliche Teil nebst Küche. Oben, im ersten Stock angelangt, empfängt einem ein „Wartezimmer“. Helle Möbel: ein Bücherregal, zwei Schränke und eine Sitzecke. In der Mitte der hinteren Wand befindet sich eine Tür. Dahinter ist das Bad. Links sind die Schlafzimmer für Eltern und Kinder und ein Gästezimmer. Rechts ein großes Wohnzimmer und ein Büro. Das Büro ist mit hellen Möbeln ausgestattet und penibel aufgeräumt. Neben einem modernen Festnetztelefon steht ein Faxgerät. Ein Computer steht unter einem Arbeitstisch. Der Schreibtisch hebt sich von der Einrichtung im Zimmer ab. Ein sehr dunkles Braun verrät, dass er nicht in das Programm der Restmöbel passt. Auf dem Schreibtisch liegt eine Unterlage aus. Darauf eine Tastatur. Neben der Unterlage recht ist die Computermaus. Rechts oben auf dem Schreibtisch wurden zwei Ablagen hingestellt. Ein Flachbildfernseher in einer Schrankwand ist an. Im Programm laufen Landschaftsaufnahmen aus den USA. Auf einem Bürostuhl aus Leder, sitzt bzw. liegt ein Mann der einen Meter achtzig groß sein könnte. Er hat Straßenbekleidung an. Auch seine Schuhe sind nicht für das Haus gedacht. Sein Blick richtet sich zur Decke. Starr und unbeweglich liegt er da. Als ob er über etwas nachdenkt. Was ist mit ihm? Was hat den „Schrottkönig“ wie er in der ganzen Rhön genannt wird, so aus der „Bahn“ geworfen? Kann er sich doch rühmen, innerhalb kürzester Zeit den gesamten Schrotthandel im Raum Rhön, an sich gerissen zu haben. Kann er doch stolz auf seine Familie und auf das Haus sein? Er hat die besten Verbindungen zur Politik und pflegt das Vereinsleben. Und außerdem ist er ein großer Gönner im sozialen Bereich.

Georg Debrotesch                                                                                                                                                                    und Ferdi Leuschner haben es sich in dem kleinen Flur, in den man kommt, wenn der Nebeneingang des Museums benutzt wird, bequem gemacht. Sie sitzen auf die von ihnen mitgebrachten Kisten und Kartons, die sie für das Verpacken der zu stehlenden Kunstgegenstände brauchen. Ein Teil des Verpackungsmaterials steht auf zwei kleinen Transportwegelchen. Gedacht haben sie auch an Holzklötzen verschiedenster Größe. Diese werden anstelle der Figuren und anderer Gegenstände gestellt, um die Lichtkontakte zu unterbrechen. Es wird simuliert, dass die Gegenstände noch da sind. Georg Debrotesch hat außerdem noch eine leistungsstarke Bohrmaschine mitgebracht. Ferdi Leuschner drängt Georg Debrotesch hat Ferdi Leuschner erst heute früh angerufen und ihm gesagt, dass er Kleidung für mindestens eine Woche mitnehmen soll. Nun soll Georg endlich mit der Sprache herauszurücken, was er noch geplant hat. Wir werden die Kunstgegenstände nehmen, verpacken und in den Transporter schaffen. Dann fahren wir auf die Autobahn München – Nürnberg. Bei der Ausfahrt „Hollerdau“ fahren von der Autobahn ab und suchen einen Platz, von dem wir nicht gesehen werden können. Hier wird die Aufschrift vom Aufbau des Transporters weggewischt und die Kennzeichen gewechselt. Wasser, Lappen und Kennzeichen sind draußen im Wagen. Wir fahren dann weiter bis Haßfurt. „Wo liegt den Haßfurt?", fragt Ferdi. Georg geht nicht auf die Frage ein und sagt nur, dass er in der Nähe von Haßfurt ein altes kleines Haus vorübergehend benutzen kann. Es gehört den Bruder seiner Mutter, der längere Zeit im Krankenhaus liegen muss. Er war vor zwei Jahren mal oben und hat sich vor ein paar Tagen nach seinen Onkel telefonisch erkundigt. Und da sagte ihm der Onkel eben, dass das Haus vier Wochen leer steht. Ja der Onkel bat ihn darum, dass er, wenn er Zeit hat, sich um das Haus kümmern soll. Ferdi kommt aus dem Staunen nicht heraus. Und von diesem Haus aus werden wir versuchen, die Kunstgegenstände einzeln loszuwerden.

Franken vor                                                                                                                                                                              Am Tag darauf sind die vom Volk gewählten Abgeordneten für das Regionalparlament Franken feierlich in das alte Rathaus der Stadt Nürnberg, das zur Zeit des Reichskreises Sitzungsort war, eingezogen. Sie forderten vom Bayern dem Königshaus die Freigabe aller Kulturgüter, die ab 1798 bis 1840 aus fränkischen Klöstern, Kirchen und Schlössern geraubt worden sind. Ansprüche können über die Dauer eines Jahres von Klöstern/Abteien, Kirchen, Städte und Gemeinden und sonstigen Betroffenen geltend gemacht werden. Revision aller Verträge, die die Güter betreffen. Für die Region Franken wird eine Selbstverwaltung mit Verfassung nach Schweizer Art verlangt. Die Dokumente, die den Vertrag von Lunéville für alle Ewigkeit dokumentieren, wurden vom damaligen Herzogtum und als Rechtsnachfolger, dem Königshaus in einem Privatarchiv versteckt. Wohl wissend um die Folgen, wenn diese an die Öffentlichkeit kommen. Die Versammlung fordert eine Volksabstimmung.

Mehr wird nicht verraten.