Sie versteckten sich
bis sich die Pferde auf dem Gegenweg
befanden. Dann sind sie aus dem Versteck hervorgesprungen. Der Pferdelenker
und sein mit einem Langmesser ausgestatteter Begleiter sind wohl mehr wegen
des Aussehens der Angreifer, ob ihrer Bewaffnung erschrocken. Der Kutscher
wurde festgehalten. Auch der Begleitschutz. Der Karren wurde durchwühlt. Es
war kein Herzogsschwert zu finden. Nun wurden die Fuhrleute befragt. Der
Kutscher sagte, wenn
Ihr
das Schwert sucht – es ist heute Nacht schon weggebracht worden. Ein
Fuhrwerk, Kutscher mit zehn Mann Bewachung. Somit war die Aktion erfolglos
beendet. Der Fürstbischof ist nun kein Fürst mehr. Auch er muss sich unter
die baierische Knute beugen. Sicher jeder hat den Fürstbischof nicht nur
einmal am Tag verflucht. Auch er hatte seine Zuträger. Sein
Herrschaftsanspruch war überall und absolut zu spüren. Und doch mochten wir
ihn irgendwie. Er konnte auch weichherzig, mild und gütig sein. Vor allem
fühlte er sich seinem Fürstentum und seinen Untertanen verpflichtend. Als
die Nachricht, dass die Franzosen bald in Franken einmarschieren werden in
aller Munde war, erhofften sich viele Leute, das
die Franzosen aus Franken einen modernen
Staat machen. Doch diese Hoffnung wurde noch vor dem Einmarsch der Baiern
enttäuscht. Wie Räuberbanden zogen diese plündernd durch die Straßen
und haben alles mitgenommen, was noch Gold glänzte. Fünfzig anständige
Würzburger Bürger sind zu Tode gekommen. Seinen Onkel, der im Rat der Stadt
vertreten war, haben sie verschleppt. Er hat sich den Räubern in den Weg
gestellt, als diese in eine Goldschmiedewerkstatt eindringen wollten. Bis
nach Augsburg brachten die Bayernbüttel, wo er in einen Kerker gesteckt
wurde. Erst vorgestern ist er zurückgekommen. So abgemagert, dass man seine
Rippen zählen konnte. Zwei Stunden, bevor die Franzosen gekommen sind, ist
auch der letzte baierische Räuber aus der Stadt verschwunden. Viele
Würzburg sind zum Rathaus gekommen, wo der Bürgermeister die Eindringliche
begrüßte. Die meisten Bürgerinnen und Bürger sind stumm und regungslos
dagestanden.
Museumsdirektor Friedhelm Altmoser
macht wie jeden Abend, nachdem das Museum geschlossen hat,
seinen Rundgang durch die Alte Pinakothek. Seine Blicke streifen die alten
und wertvollen Exponate aus den verschiedenen Jahrhunderten. Sie sind ihm ans
Herz gewachsen. Er ist einer der jüngsten Museumsdirektoren überhaupt. Und
das, auf ganz Deutschland bezogen. Nun er muss zugeben, dass er ohne
Beziehungen nie diesen Posten bekommen hätte. Allein von der Qualifikation
her hätte man ihn diese herausragende Stellung nie gegeben. Seine
Parteikollegen haben da nachgeholfen. Auch verwandtschaftliche Bindungen zu
einem Staatssekretär im Kultusministerium sind und waren von Vorteil. Wie es
auch sei, er hat nun das erreicht, von dem er von Jugend her geträumt hat. Er
kommt nun in einem Raum, wo Exponate aus den ehemaligen fränkischen
Regierungsbezirke Frankens stehen oder liegen. Früher waren die Bilder oder
Gegenstände verteilt im ganzen Museum. Um die aufsässigen Franken zu beruhigen,
sind diese nun in einem Raum zu besichtigen. Er geht an die Rückwand des
Raumes und schiebt einen kleinen Vorhang, der mit Motiven aus dem Mittelalter
bestickt ist, beiseite. Friedhelm Altmoser holt einen Sicherheitsschlüssel
aus der Hosentasche und steckt den Schlüssel in ein kaum zu sehendes
Schlüsselloch. Dann hebt er einen Griff, der in der Wand versenkt ist, hervor
und zieht ihn nach vorne. Es öffnet sich eine Stehltüre und gibt einen Blick
in einen mannshohen Tresor. In diesem Raum kommen die Kunstwerke aus Franken,
um über Nacht von Dieben sicher zu sein. Diese besondere Sicherheitsmaßnahme
ist nötig, da die Exponate einen unermesslichen Wert haben. Natürlich ist das
Museum gut abgesichert und die Wertgegenstände an ihren Plätzen sind noch
zusätzlich befestigt. Bei den fränkischen Kulturgütern hat man sich eine
besondere Sicherung einfallen lassen. Geschätzter Wert der Gegenstände zehn
Millionen Euro. Andere Gutachter sprechen von dreizehn Millionen Euro.
Friedhelm Altmoser holt nun Stück für Stück aus den Vitrinen und legt die
Kunstwerke in den Tresor. Bevor er den Tresor verschließt, vergewissert er
sich noch einmal, ob er auch alle Exponate in den Tresor gelegt hat. Danach
geht er in sein Büro und setzt sich an seinem Schreibtisch. Er holt sich eine
Kaffeekanne, die auf einer Anrichte steht, und setzt sich wieder. Dort
schenkt er sich den lauwarmen Kaffee in die auf dem Tisch stehende Tasse ein
und nimmt einen Schluck. Am liebsten möchte er überhaupt nicht nach Hause
gehen. Er besitzt eine große Villa aus dem neunzehnten Jahrhundert. Die Räume
dieser Villa sind mit antiken Möbeln ausgestattet. Am Haus ist ein großer
Garten mit Pool. Aber was nützt das alles, wenn man allein ist. Seine Frau
und die Kinder haben ihn vor fünf Wochen verlassen. Seine Frau und er lieben
sich noch über alles. Auch von seinen zwei Kindern könnte er sich nur mit
Schmerzen trennen. Grund der Trennung ist, wie bei vielen Scheidungen das
Geld. In seinem Fall sind es nicht Schulden wegen des Hauses oder teuren
Anschaffungen, sondern seine Spielleidenschaft oder besser seine Spielsucht.
Er holt sein Notizbuch aus dem Schubfach. Seine Schuldenstände weisen Beträge
auf, die ihm den Schweiß auf die Stirn treiben.
Georg Debrotesch und Ferdi Leuschner
haben es sich in dem kleinen Flur, in den man
kommt, wenn der Nebeneingang des Museums benutzt wird, bequem gemacht. Sie
sitzen auf die von Ihnen mitgebrachten Kisten und Kartons, die sie für das
Verpacken der zu stehlenden Kunstgegenstände brauchen. Ein Teil des
Verpackungsmaterials steht auf zwei kleinen Transportwägelchen. Gedacht
haben sie auch an Holzklötzen verschiedenster Größe. Diese werden anstelle
der Figuren und anderer Gegenstände gestellt, um die Lichtkontakte nicht zu
unterbrechen. Es wird simuliert, dass die Gegenstände noch da sind. Georg
Debrotesch hat außerdem noch eine leistungsstarke Bohrmaschine mitgebracht.
Ferdi Leuschner drängt Georg Debrotesch. Dieser hat Ferdi Leuschner erst
heute früh angerufen und ihm gesagt, dass er Kleidung für mindestens eine
Woche mitnehmen soll. Nun soll Georg endlich mit der Sprache herauszurücken,
was er noch geplant hat. Wir werden die Kunstgegenstände nehmen, verpacken
und in den Transporter schaffen. Dann fahren wir auf die Autobahn München –
Nürnberg. Bei der Ausfahrt „Holledau“ fahren von der Autobahn ab und suchen
einen Platz, von dem wir nicht gesehen werden können. Hier wird die
Aufschrift vom Aufbau des Transporters weggewischt und die Kennzeichen
gewechselt. Wasser, Schmutzlappen und Kennzeichen sind draußen im Wagen. Wir
fahren dann weiter bis Haßfurt. „Wo liegt Haßfurt?", fragt Ferdi. Georg geht
nicht auf die Frage ein und sagt nur, dass er in der Nähe von Haßfurt ein
altes Haus mit Anwesen vorübergehend benutzen kann. Es gehört den Bruder
seiner Mutter, der längere Zeit im Krankenhaus liegen muss. Er war vor zwei
Jahren mal oben und hat sich vor ein paar Tagen nach seinen Onkel
telefonisch erkundigt. Und da sagte ihm der Onkel eben, dass das Haus vier
Wochen leer steht. Ja der Onkel bat ihn darum, dass er, wenn er Zeit hat,
sich um das Haus kümmern soll. Ferdi kommt aus dem Staunen nicht heraus.
Erster Hauptkommissar Swen Gruber
hat in seiner Laufbahn nach so manchen Raub die Ermittlungen
durchgeführt. Der Raub von allen Gegenständen, Schriften und Schmuckstücken
aus einer ganzen Sektion eines Museums, ist ihm noch nicht untergekommen. Die
Spurensicherung ist gerade dabei, von der Tresortür Abdrücke zu nehmen. Swen
Gruber fragt den Hauptkommissar der Abteilung Raub, wie weit die Ermittlungen
gediegen sind. Der sagt ihm, er hat den Chef der Sicherungsfirma und den
Leiter des Museums herbestellt. Noch bevor diese beiden Herren ankommen, ist
der Tathergang eigentlich klar. In einer Besprechung wurde der Tathergang
besprochen. Die Täter müssen sich nach Ablauf der Öffnungszeiten noch im
Museum aufgehalten haben. Sie haben dann mit Holzklötzen die
Sicherungslichtschranken unterhalb oder oberhalb der Figuren überbrückt. Das
Gleiche bei den Schmuckschalen, Büchern usw. Durch einen
Unterbrechungsmechanismus am Stromkreis der Gebäudesicherung wurde die
Objektsicherung (Figuren etc.) aktiviert. Die Tresortür konnte ohne Auslösung
des Alarms aufgebohrt und geöffnet werden. Die Täter haben nach Kenntnis der
Spuren im Flur hinter dem hinteren Nebeneingang gewartet, bis das Museum
geschlossen hat. Die Tür, die auch als Fluchttür dient, war offen. Sie haben
die Tür so präpariert, dass auch nach Museumsschluss kein Alarm ausgelöst
werden wird. Über diese Tür wurde das Diebesgut nach außen gebracht. Sie
müssen dazu Rollwägelchen benutzt haben. Die Täter hatten natürlich gehofft,
dass der Raub erst nach Öffnung des Museums entdeckt wird. Der Alarm wurde
dadurch ausgelöst, weil sich ein Stück des Metallklebebandes, das
signalisieren und gewährleisten sollte, das der beschädigte Tresor
geschlossen ist, gelöst hat. Ws wurden Handschuhe
getragen. Das einzige, was Rätsel aufgibt, sind die Bewegungsmelder. Kein
Einziger hat sich aktiviert. Sie können vom Museumsleiter nach Ansage beim
Sicherheitsdienst ausgeschaltet werden. Das ist an diesem Sonntag aber nicht
passiert.
Gegenüber dem Haus
der Hambichls, auf der anderen Straßenseite, steht ein liegt ein Haus, dass
dem jüdischen Ehepaar Moses und Judith Strauß gehört. Das Ehepaar lebt dort
mit ihrer Tochter Ruth. Schon seit Generationen befindet sich im Erdgeschoss
ein kleiner Laden. Die jüdische Familie hat in München einen guten Ruf. Der
Vater von Moses Strauß war, bis er vor vier Monaten gestorben ist, lange Zeit
im Münchner Stadtrat. Auch die Nachbarn der Familie Strauß respektierten die
Juden in ihrer Nähe. Noch im Dezember 1932 war die Familie Strauß, so wie in
jedem Jahr, beim Nachbarfest dabei. An diesem Fest haben einige Personen
daran Anstoß genommen, dass die Familie Strauß da war. Die Feindseligkeiten
haben sich jedoch in Grenzen gehalten. Dias Ehepaar Hambichl pflegt schon
seit Generationen gut nachbarschaftliche Beziehungen zu ihren jüdischen
Nachbarn. Ja diese Beziehungen gehen über eine normale gute Nachbarschaft
hinaus. Sie werden auch nicht durch die öffentlich sichtbare soziale
Ausgrenzung, Diskriminierung und Demütigung, beginnend ab der Machtergreifung
Hitlers, getrübt. Herr Strauß durfte und konnte schon seit Jahren nichts mehr
verkaufen. Schläger hatten sein Schaufenster zerschlagen. Das Fenster ist nun
mit Brettern vernagelt. Noch im Oktober 1938 wurde im kleinen Kreis gefeiert.
Nach der Pogromnacht machten sich Elmar und Gabriele Gedanken, wie es mit der
Familie Strauß wohl weiter gehen wird. Elmar, den man von seiner Wachstation
weg hin ins Hauptamt in ein Schreibbüro versetzt hat, hört und sieht so
manche gegen Juden gerichtete Ungeheuerlichkeit.
Blauer Himmel über Wetzhausen.
Ein paar
Wolken können die Sonnenstrahlen nicht hindern auch das kleine Anwesen am
Ende einer Sackgasse zu erreichen. Den letzten Schnee hat ein Tauwetter in
den letzten Tagen dahin schmelzen lassen. Die Kinder des kleinen Ortes und
sicher auch ein paar Erwachsene haben leider keine Möglichkeit mehr. Sie
können nicht mehr mit Schlittschuhen oder zu Fuß, die noch vor Tagen
zugefrorenen kleinen Seen und Weiher zu nutzen. Eingepackt in Thermoanzügen,
Wollmützen und Winterstiefeln vom Parkplatz gehen zwei Personen auf das alte Schloss zu. Auch in dem Anwesen am Ende der
Judengasse ist die Nacht vorüber. Georg Debrotesch und Ferdi Leuschner sitzen
beim Frühstück. Es schon einige Zeit her, als beide mitten in der Nacht in
Wetzhausen eingetroffen waren. Ferdi hat vor einer halben Stunde bei einem
Discounter vier Brötchen besorgt. Den Kaffee den Georg während der
Abwesenheit von Ferdi „gebraut“ hat, könnte stärker nicht sein. Georg
unterbricht die schon eine ganze Zeit lang dauernde Stille. Er spricht
halblaut vor sich hin. Als Ferdi ihn darauf anspricht, wird Georg lauter. Er
meint, dass es ein Fehler war, die Beute hierher nach Wetzhausen zu bringen.
Ja, ob es überhaupt sinnvoll war, die Kunststücke zu stehlen. „Nun",
sagt Ferdi, "wir könnten die „Ware“ an den Herrn Limmer verkaufen.“
Georg grinst. „Ja, könnten wir.“ Er sagt seinem Kollegen, dass er ja noch die
Nummer eines Kunstliebhabers habe. Aber ob dieser die ganze Beute, oder auch
nur Teile davon abnimmt, ist fraglich. Während wir hier die Zeit totschlagen,
hat die Polizei bestimmt alle infrage kommenden Händler aufgesucht. Und auf
einen Lieferwagen wie der unsere sind die Bullen besonders scharf. Stille.
Aber es stimmt, sagt sich Georg. Wir müssen raus aus diesem Loch. Er wendet
sich Ferdi zu, der aufgestanden war, um die Kaffeekanne vom Herd zu holen. „Wir
fahren heute nach Haßfurt ins Krankenhaus", sagt er. „Wir besuchen
meinen Onkel." Ich weiß zwar nicht, auf welcher Station erliegt.
"Aber das bekommen wir heraus.“ Gesagt getan. Eine Stunde später fährt,
nach mühevollem Ausscheren aus der Scheune, der Lieferwagen Richtung
Königsberg i. Franken. „Mit wird ganz unwohl, wenn ich daran denke, was
passiert, wenn uns eine Polizeistreife anhält", sagt Ferdi zu Georg.
Georg gibt auf die Besorgnis seines Beifahrers gar nichts. Er deutet mit der
linken Hand auf Königsberg. „Wir könnten uns die Stadt ja einmal
ansehen", meint Ferdi. Georg tritt auf die Bremse, da die Abzweigung zur
Stadt gleich erreicht sein wird. Auf einem Parkplatz, der vor dem Stadttor
angelegt worden ist, stehen nur fünf Fahrzeuge. Eines davon ist ein
Sattelschlepper. Georg parkt seinen Lieferwagen zwischen diesen Lkw und einem
größeren Pkw. Er parkt rückwärts ein in der Hoffnung, dass sein Auto nicht zu
sehr auffällt.
Begibt man sich auf
einen ausgewiesen Weg, der den Namen Galgenturmstraße trägt und
läuft oder fährt von der Stadtmitte aus in die Richtung Nordost, kommt man in
ein Neubauviertel. Da sieht man an den Häusern und Villen, dass es sich um
einen Stadtteil handelt, in dem Leute mit sehr guten oder hohen Einkommen
leben. Am Ende der gut ausgebauten Straße rechter Hand erstreckt sich ein
Grundstück von gut zweitausend Quadratmeter, das von einer Naturhecke umgeben
ist. Der Umlauf der Hecke, deren Höhe man auf zwei Meter schätzen kann, wird
unterbrochen von einem Tor aus Metallstäben, die reich verziert sind. Das Tor
ist einen Spalt offen. Links vom Tor wurde eine Tür,
ebenfalls aus Metallstäben gefertigt, montiert. An diesen Gitterstäben ist
ein Schild mit einer goldenen Hintergrundfarbe und einem schwarzen Schriftzug
befestigt. „Herbert Murk / Edelmetalle, Metalle, Autoschrott.“ Man muss schon
nach Passieren des Tores zehn Meter weitergehen, um das Haus im Blick zu
haben. Bevor der Besucher zum Haupteingang kommt, kann er links eine
Doppelgarage sehen. Im Erdgeschoss befindet sich der hauswirtschaftliche Teil
nebst Küche. Oben, im ersten Stock angelangt, empfängt einem ein
„Wartezimmer“. Helle Möbel: ein Bücherregal, zwei Schränke und eine Sitzecke.
In der Mitte der hinteren Wand befindet sich eine Tür. Dahinter ist das Bad.
Links sind die Schlafzimmer für Eltern und Kinder und ein Gästezimmer. Rechts
ein großes Wohnzimmer und ein Büro. Das Büro ist mit hellen Möbeln
ausgestattet und penibel aufgeräumt. Neben einem modernen Festnetztelefon
steht ein Faxgerät. Ein Computer steht unter einem Arbeitstisch. Der
Schreibtisch hebt sich von der Einrichtung im Zimmer ab. Ein sehr dunkles
Braun verrät, dass er nicht in das Programm der Restmöbel passt. Auf dem
Schreibtisch liegt eine Unterlage aus. Darauf eine Tastatur. Neben der
Unterlage recht ist die Computermaus. Rechts oben auf dem Schreibtisch wurden
zwei Ablagen hingestellt. Ein Flachbildfernseher in einer Schrankwand ist an.
Im Programm laufen Landschaftsaufnahmen aus den USA. Auf einem Bürostuhl aus
Leder, sitzt bzw. liegt ein Mann der einen Meter achtzig groß sein könnte. Er
hat Straßenbekleidung an. Auch seine Schuhe sind nicht für das Haus gedacht.
Sein Blick richtet sich zur Decke. Starr und unbeweglich liegt er da. Als ob
er über etwas nachdenkt. Was ist mit ihm? Was hat den „Schrottkönig“ wie er
in der ganzen Rhön genannt wird, so aus der „Bahn“ geworfen? Kann er sich
doch rühmen, innerhalb kürzester Zeit den gesamten Schrotthandel im Raum
Rhön, an sich gerissen zu haben. Kann er doch stolz auf seine Familie und auf
das Haus sein? Er hat die besten Verbindungen zur Politik und pflegt das
Vereinsleben. Und außerdem ist er ein großer Gönner im sozialen Bereich.
Georg
Debrotesch
und Ferdi Leuschner haben es sich in dem kleinen Flur,
in den man kommt, wenn der Nebeneingang des Museums benutzt wird, bequem
gemacht. Sie sitzen auf die von ihnen mitgebrachten Kisten und Kartons, die
sie für das Verpacken der zu stehlenden Kunstgegenstände brauchen. Ein Teil
des Verpackungsmaterials steht auf zwei kleinen Transportwegelchen. Gedacht
haben sie auch an Holzklötzen verschiedenster Größe. Diese werden anstelle
der Figuren und anderer Gegenstände gestellt, um die Lichtkontakte zu
unterbrechen. Es wird simuliert, dass die Gegenstände noch da sind. Georg
Debrotesch hat außerdem noch eine leistungsstarke Bohrmaschine mitgebracht.
Ferdi Leuschner drängt Georg Debrotesch hat Ferdi Leuschner erst heute früh
angerufen und ihm gesagt, dass er Kleidung für mindestens eine Woche
mitnehmen soll. Nun soll Georg endlich mit der Sprache herauszurücken, was
er noch geplant hat. Wir werden die Kunstgegenstände nehmen, verpacken und
in den Transporter schaffen. Dann fahren wir auf die Autobahn München –
Nürnberg. Bei der Ausfahrt „Hollerdau“ fahren von der Autobahn ab und suchen
einen Platz, von dem wir nicht gesehen werden können. Hier wird die
Aufschrift vom Aufbau des Transporters weggewischt und die Kennzeichen
gewechselt. Wasser, Lappen und Kennzeichen sind draußen im Wagen. Wir fahren
dann weiter bis Haßfurt. „Wo liegt den Haßfurt?", fragt Ferdi. Georg geht
nicht auf die Frage ein und sagt nur, dass er in der Nähe von Haßfurt ein
altes kleines Haus vorübergehend benutzen kann. Es gehört den Bruder seiner
Mutter, der längere Zeit im Krankenhaus liegen muss. Er war vor zwei Jahren
mal oben und hat sich vor ein paar Tagen nach seinen Onkel telefonisch
erkundigt. Und da sagte ihm der Onkel eben, dass das Haus vier Wochen leer
steht. Ja der Onkel bat ihn darum, dass er, wenn er Zeit hat, sich um das
Haus kümmern soll. Ferdi kommt aus dem Staunen nicht heraus. Und von diesem
Haus aus werden wir versuchen, die Kunstgegenstände einzeln loszuwerden.
Franken vor
Am Tag darauf sind die vom Volk gewählten
Abgeordneten für das Regionalparlament Franken feierlich in das alte Rathaus
der Stadt Nürnberg, das zur Zeit des Reichskreises Sitzungsort war,
eingezogen. Sie forderten vom Bayern dem Königshaus die Freigabe aller
Kulturgüter, die ab 1798 bis 1840 aus fränkischen Klöstern, Kirchen und
Schlössern geraubt worden sind. Ansprüche können über die Dauer eines Jahres
von Klöstern/Abteien, Kirchen, Städte und Gemeinden und sonstigen
Betroffenen geltend gemacht werden. Revision aller Verträge, die die Güter
betreffen. Für die Region Franken wird eine Selbstverwaltung mit Verfassung
nach Schweizer Art verlangt. Die Dokumente, die den Vertrag von Lunéville
für alle Ewigkeit dokumentieren, wurden vom damaligen Herzogtum und als
Rechtsnachfolger, dem Königshaus in einem Privatarchiv versteckt. Wohl
wissend um die Folgen, wenn diese an die Öffentlichkeit kommen. Die
Versammlung fordert eine Volksabstimmung.
Mehr wird nicht verraten.