
+++ Die Leute drängen aus der Halle. Auch am Vorstandstisch macht man sich auf, mit den Kolleginnen und Kollegen nach draußen zu gehen. Bern Schöller, der während der Veranstaltung in der ersten Reihe gestanden war, gesellt sich zu seiner Mutter, die von ihrem Platz aufgestanden ist. Auch Hans Schöller steht auf und dreht sich mit dem Oberkörper nach links, um einem Funktionär zu sprechen. Als er sich wieder in seiner Ausgangsposition befindet und den nach draußen strömenden Leuten nachschaut, ist ein Knall in der Art eines Schusses zu hören. Bernd Schöller war gerade zu seinem Vater gelaufen und hinter dessen Rücken angekommen. Er fängt seinen Vater, der nach recht abkippt, auf. Bleich im Gesicht hievt er den anscheinend Verletzten auf den Stuhl, von dem sein Vater aufgestanden war. Eine Stimme ruft nach einem Sanitäter und Doktor. Es dauert gefühlt fast ewig, bis ein Arzt, der seinen gebrechlichen Vater mit in die Versammlung gebracht hat, sich über den angeschossenen Hans Schöller beugt und ihn untersucht. Nach einer Weile kann er der bangen und ängstlichen Frau Schöller sowie Bernd mit leisem Ton sagen, dass Herr Schöller aufgrund der Schussverletzung verstorben ist. Es ist Totenstille in der Halle. Dann, aus den Reihen der noch anwesenden Demonstranten wird die „Internationale“ angestimmt und lautstark aus vollem Trotz Wut gesungen. Während Bernd seine Mutter in den Arm genommen hat und beide schluchzend auf Stühlen Platz genommen haben, bahnen sich acht uniformierte Beamte und zwei Kriminaler ihren Weg durch die Menge zum Vorstandstisch. Nachdem die zwei Beamten mit dem Arzt gesprochen hatte und festgestellt haben, dass der Todesschütze aus der Mitte, der schon nach draußen gehen Versammlungsteilnehmer Geschossen hat, ist ein Tumult von draußen vor der Halle anwesenden Arbeiter zu hören.
+++ Die Nazis nutzen diesen Tag, um den Arbeitern zu zeigen, dass sie auch
die ihren sind. Neben den Berliner Parteibonzen hat sich der Führer angesagt
und mit ihm die ganze Führungsriege des NS-Staates. In den großen Städten
werden Gauleiter sprechen. Die Tribüne füllt sich. Nach dem Gauleiter für
Berlin wird der Führer sprechen.Während der Vorgänge um und auf dem
Tempelhoferfeld und der Reden, die wie im Nachhinein erfahren, oft
hasserfüllt und menschenverachtend waren, formierten sich die Soldaten der
RF an den Ausgängen des Tempelhoffeldes. Am sogenannten Haupteingang stehen
an einer Absperrung entlang der Wagen des Führers und die seiner
Helfershelfer. Es ist mit List gelungen, die Fahrer von fünf Autos zu
überrumpeln. Soldaten der RF, die aus persönlichen Gründen Hass auf die
Naziführung haben, schlüpften in dessen Uniformen und warteten so auf die
Nazigrößen. In der Wartezeit legen die Fahrer Glasampullen mit Gas unter die
Fahrersitze. Nach nicht zu überhörenden Sieg - Heil Rufen sind der Führer
und seine Leute, die zum engsten Führungskreis gehören vom Tempelhoffeld zu
ihren Wagen gelaufen. Die Fahrer halten die Türen auf. Auf Anweisung fahren
die Fahrer zum Hotel Adlona. Zwei Stunden später geht die Fahrt weiter in
die Nacht hinaus. Von den Insassen verliert sich jeder Spur.